Völkerkunde ~ eine heikle Angelegenheit

Manche mögen sagen, dies sei das leichteste Kapitel, befasst es sich doch mit Allbekanntem. Dem ist jedoch nicht so, denn nichts ist so vielschichtig wie das tägliche Leben.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Völker auf unserer Welt und wahrschneinlich sind noch nicht einmal alle bekannt, doch möchte ich mich hier nicht in tiefe Analysen begeben. Es sollen lediglich kurze Anrisse sein, um sich eine Vorstellung machen zu können. Es wird vollkommen genügen auf die wichtigsten Merkmale der unterschiedlichen Kulturen einzugehen.
Doch will ich zunächst die menschlichen Rassen vorstellen.

Unsere Menschen

Soweit bekannt existieren in Roreâz nur drei Menschenarten: Merhin, Tien-Lu und Alwar. Aber sie sind nicht die einzigen intelligenten Wesen. Viele andere Geschöpfe verfügen über hohe Intelligenz und eine eigene Sprachen, doch leben diese sehr zurückgezogen und meiden eher den Kontakt zur menschlichen Zivilisation.

Doch möchte ich vorab darauf hinweisen, dass es nicht DEN Tien-Lu oder DEN Merhin gibt. Jeder Mensch ist anders, abhängend von seinem Stammbaum und Umfeld. Hauptsächlich ist jedoch die Kultur, also das Volk, maßgebend. Es gibt keine Länder, in denen nur Merhin oder nur Tien-Lu leben. Es ist immer eine gemischte Gesellschaft, die ähnliche körperliche und soziale Merkmale teilt, welche sich aus der Ernährung und dem Klima entwickelt haben.

nach obenTien-Lu ~ Kinder der Krähen

Weitere gebräuchliche Namen: Tieler, Tilu

Entstanden sind sie aus Krähen, die einen Göttlichen fraßen und sich dann zu Menschen entwickelten. So erzählt es jedenfalls eine unserer Mythen und blickt man nur auf das Äußere der Tien-Lu, so könnte man daraus Wahrheit schöpfen. Doch dann frage ich mich: was haben sie sonst noch von den Krähen übernommen außer ihren Federn.

Was die Tien-Lu auszeichnet, sind die Federn, die sie statt Haaren auf Kopf und Körper tragen, sowie der leichte Körperbau.

Ihr Hauptgefieder ist von Volk zu Volk unterschiedlich. Die Federn können starr und abstehend sein, aber auch biegsam und fein, kurz, lang oder mehrfarbig. Wie Haare können sie geschnitten und frisiert werden, auch wenn es etwas schwieriger ist und mehr Können abverlangt.


Die fülligen Kopffedern können – je nach Abstammung - über Nacken bis zu den Unterarmen in kurze Stoppelfedern (bei den Männern) auslaufen, oder in feine kleinste Daunenfedern (Frauen). Die Ausprägungen an den Unterarmen variieren ebenfalls stark.
Der Körper selbst, bis auf den Genitalbereich, besitzt im Allgemeinen keine weiteren Federn, obwohl bei einigen Stämmen kurze Wadenfedern möglich sind.

nach obenMerhin ~ Kinder des Windes

Weitere gebräuchliche Namen: Merin, Merner, Merher

Der Drang nach Freiheit ist stark verwurzelt in den Herzen der Merhin. Einst kamen sie aus den eisigen Gebirgshöhen Tal Narag, der alten Heimat. Heute fühlen sie sich noch immer zum freien Leben von einst hingezogen, auch wenn die meisten von ihnen nun fest an die gesellschaftlichen Zwänge gebunden sind.

Ganz im Gegensatz zu den Tien-Lu besitzen die Merhin durchaus Haare, sogar extrem wuchsfreudige! Barbiere, sofern diese annähernd etwas von ihrem Handwerk verstehen, haben bei den Merhin einen besonderen Stellungswert. Dort trifft man sich regelmäßig zu einem gesellschaftlichen Austausch bei einem Glas Wein oder Bier.

Augen- und Haarfarbe hängen auch bei den Merhin von Kultur und Abstammung ab, doch bei der Mehrheit von ihnen scheint es starke Tendenz zu hellen und kräftigen Farben zu geben, die gerne auch durch farbenfrohen Schmuck und Kleidung hervorgehoben werden.

Merhin haben einen stärkeren Körperbau als die Tien-Lu und ihre Muskeln prägen sich schneller aus, so dass sich das Bild der großen starken Merhin entwickelt hat. Doch in Wahrheit unterscheidet sich ihre Muskelstärke so gut wie gar nicht von den Tien-Lu. Lediglich die Knochen sind stabiler, so dass sie generell mehr wiegen und stämmiger sind.

nach obenAlwar ~ Kinder der Götter

Weitere gebräuchliche Namen: Alwa, Alawar

Die Götterkinder überlebten eine hoch entwickelte Kultur, die sie für Jahrtausende zu Sklaven gemacht hatte, aber nicht für würdig erachtete sie in ihr Wissen einzuweihen. So stehen auch die Alwar den in den Ruinen versteckten Technologien unwissend gegenüber.

Die Alwar sind nicht so zahlreich wie die beiden anderen Menschentypen und von kleinerer Statur. Sie behalten bis ins hohe Alter ein jugendliches Aussehen, welches erst in den letzten zehn bis fünfzehn Lebensjahren verloren geht. So kann man also meist schwerlich sagen, wie alt ein Alwar tatsächlich ist.
Ihr sonstiges Äußeres ist sehr unterschiedlich und hängt stark vom Einfluss des Ityir und des Itrit ab. Die Alwar wurden jedoch vor einigen Jahrhunderten von einem zweiten Pilz infiziert, der seitdem als Seuche in ihnen weiterlebt und auch als Alwar-Fluch bezeichnet wird. Nur durch die ständige Einnahme des Giftes „Itrit“ kann der fremde Pilz eingedämmt und die Krankheit langsam bekämpft werden.

Doch ihre Körper bleiben gezeichnet vom inneren Kampf, der zwischen dem Pilz und dem Gift ausgefochten wird. Pigmentschwächen, Hautverfärbungen, Flecken, kleinere bis mittlere Knochen- und Knorpelverwachsungen, Glieder- und Ohrdeformationen sind die Folgen, die leider sehr oft auch Schmerzen mit sich bringen.

Natürlich reagiert das gesellschaftliche Umfeld darauf oft mit Ablehnung, doch die alwarischen Leiden sind gut genug bekannt und sie werden nicht überall als Ausgestoßene geächtet. Außerdem wurde in den letzten 10 Jahren endlich ein Rückgang dieser Missbildungen festgestellt und die Alawar hegen die Hoffnung, ihren größten Feind bald bekämpft zu haben.

Die Vergangenheit der Alwar ist ein höchstinteressanter Abschnitt in der Weltgeschichte. Ich würde jedem empfehlen den kurzen Bericht von Maneel, einem Alwar, zu lesen. Ich traf ihn einst bei einer Schiffsreise und bat ihn um ein Stück seines historischen Wissens. Zwar ist das nichts geheimes, doch es lag mir viel daran, es von einem Alwar selbst geschrieben zu sehen.